Keinen Bock

Es gibt Tage, da habe ich keinen Bock, irgendwas zu tun. Allein die Vorstellung, mich zu irgendetwas motivieren zu müssen, überfordert mich völlig. Gleichzeitig überfordert mich aber auch, dass ich auf nichts Lust habe, ich baue dann mir selber gegenüber einen immensen Druck auf. Im stillen Zwiegespräch kritisiere ich meine Unlust. Ich finde nicht okay, wenn ich einfach länger im Bett liegen bleibe oder mich später wieder hinlege. Jedem anderen Menschen auf dieser Erde gestehe ich diese Null-Bock-Tage zu, bei mir selber bin ich aber streng und gehe hart ins Gericht. Das Ende vom Lied ist, dass ich meistens hyperaktiv irgendetwas erledige, was ich schon vermeintlich lange vor mir her schiebe. Ich backe oder koche. Ich wurschtle im Garten oder pflege die Tiere. Ich finde natürlich immer etwas. Ich finde auch so lange etwas, bis der Tag fast vorbei ist und ich kaum eine Pause eingelegt habe. Dann kritisiere ich mich wieder dafür, dass ich schlecht abschalten kann und mit meinem Energiehaushalt schlecht wirtschafte. Am besten ist, gleich liegen zu bleiben, das Ergebnis ist das selbe! Ich hoffe, ich erinnere mich bei meiner nächsten Kein-Bock-Phase rechtzeitig daran 🙂

Einen ruhigen Abend wünscht Euch

Christine

Inspiriert wurde ich heute von Sammy, die keinen Bock auf Spaziergang im Regen hatte 🙂

Dankbarkeit

Ich fühle sie oft, darf sie aber noch viel öfter fühlen! Auf meiner heutigen sonnigen Wanderung (wie war das mit dem Nebel und dem tristen Wetter im November nochmal??? 🙂 ) ist die Luft klar, die Sicht unglaublich weit und die Farben satt. Ich fühle mich frei, atme tief ein und aus und genieße die warmen Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht. Ich höre noch den einen oder anderen Singvogel im Wald, das erfüllt mich immer mit besonderer Freude, da ich Vogelgesang immer mit angenehmen Gefühlen, Erlebnissen und Erfahrungen assoziiere. Das Leben bietet ununterbrochen von morgens bis abends Anlässe zur Dankbarkeit. Spätestens, wenn man mal, wie von Achtsamkeitstrainern empfohlen, ein Dankbarkeitstagebuch führt, merkt man, wie vielfältig uns das kleine Glück täglich begleitet. Ich nehme wahr, dass ich Dankbarkeit üben kann. Ich kann mir täglich vornehmen, dankbar zu sein. Es gelingt mir im Leben mal besser, mal schlechter, wie so ziemlich alles andere auch. Die Wirkung ist allerdings enorm, ich bin viel zufriedener, aufmerksamer, achtsamer und gelassener als früher, richte meine Augenmerk und meiner Energie viel öfter auf das berühmte halbvolle Glas als auf das halbleere. Heute bin ich dankbar für meine Gesundheit, das schöne Wetter, mein gutes Essen, meine gesunde Tochter, meine Wohnung, gute Gespräche, ein gutes Buch … wofür bist du heute dankbar?

Einen wunderschönen Sonntagabend!

Christine

Alien

Ich fühle mich manchmal anders, außerirdisch, nicht zugehörig, wie von einem anderen Planeten. Verstärkt gefühlt habe ich dies in den Zeiten vor meiner Krebs-Operation. Als würde ein Stempel auf meiner Stirn aller Welt offenbaren, dass ich nun auch zu den bedauernswerten Kranken, Verlorenen dazugehöre. Urplötzlich wurde ich vom gesunden, bekannten Planeten verschleppt auf den kranken, unbekannten, ungewissen. Eine Kluft hat sich aufgetan zu den Menschen, die nicht betroffen sind, die an manchen Tagen nur schwer überwunden werden kann. Manchmal ist das einzige erstrebenswerte Ziel, nicht frühzeitig sterben zu müssen, dagegen klingt vieles andere banal und unwichtig. Oute ich mich nach meinem Befinden fragenden Menschen gegenüber, liest man in deren Gesichtern manchmal Entsetzen. Glücklicherweise gibt es aber auch viele andere Gefühlszustände und Wahrnehmungen, oft wechseln diese auch unglaublich schnell. Wenn ich das Aliengefühl spüre, ziehe ich mich gerne für zurück und mache etwas Schönes für mich. Ich merke, dass ich in diesem Gefühlszustand besonders verletzlich und empfindlich bin und meine Seele und mein Herz mir zeigen, dass ich gut auf mich aufpassen darf!

Freundinnen und Freunde

Freundinnen und Freunde zu haben ist ein Geschenk. Für jede Lebenslage gibt es genau die oder den richtigen…. oder die oder den falschen… Je nachdem, welche Persönlichkeit, Eigenschaften und eigene Erfahrungen das Gegenüber mitbringt. Für mich hat sich in meiner „heißen Phase“ meiner Erkrankung gezeigt, dass mir manche Kontakte unheimlich gut tun, mich unterstützen, andere wiederum überhaupt nicht, da musste ich mich fast schon schützen vor negativen Schwingungen. Niemand agiert absichtlich schädlich, es ist einfach, wie es ist. Gespräche, die die falsche Richtung nehmen, wohlgemeinte Ratschläge oder Erzählungen über andere Betroffene und deren (meist unterirdisch negative) Erfahrungen, Fragen, mit denen ich nicht umgehen kann oder die ich nicht hören mag können sehr anstrengend sein, wenn ich sowieso schon angeschlagen bin. Ich habe mir aus diesem Grund genau überlegt, mit wem ich was gut kann, mit wem was besonders schön, tiefgründig, traurig oder besonders lustig ist. Ich verwalte nun sozusagen meine sozialen Kontakte so, dass ich mich bewusst auf eine Begegnung einlasse, oder eben nicht. Je nach meiner persönlichen Stabilität und Verfassung. Auf Kontakte, die mir nicht gut tun, verzichte ich lieber. Aus Selbstschutz. Für mich ein guter Weg!

Einen schönen Abend!

Christine

Sammy geht in jeder Lebenslage

Der Wecker

Bei einer heutigen Recherche über den Namen eines Old-School-Weckers bin ich über meine Frage gestolpert, wie lange es denn eigentlich schon Uhren, insbesondere den Wecker gibt. Ich stieß auf die Information, dass der erste Wecker 1787 erfunden wurde, aber quasi nur für den Eigengebrauch des Erfinders, alle anderen mussten anders aus dem Schlaf finden, zum Beispiel mit dem ersten Hahnenschrei (der ja auch schon seit geraumer Zeit „Old School“ und äußerst schwierig noch in unserer Umgebung zu finden ist, schließlich wird man als stolzer Gockelbesitzer wenig geliebt von den Nachbarn:-)). Unter anderem gab es in Amerika sogar einen Beruf, den sogenannten Weckermann, der von Haus zu Haus ging, um die Leute durch Rufen und Klopfen zu wecken. Da stellt sich mir wieder eine Frage: wie wachte der Weckermann auf? Ging er vorsichtshalber vielleicht lieber gar nicht erst zu Bett? Also arbeitete er sozusagen Nachtschicht und schlief dann tagsüber? Der Wecker wurde übrigens erst richtig attraktiv und wichtig zur Zeit der Industrialisierung, also zu der Zeit, als für viele Menschen die eigene Zeiteinteilung wegfiel und sie fremdbestimmt durch ihren jeweiligen Arbeitsplatz ihre Tage gestalteten. Aber zunächst mal: ich finde dieses Thema so interessant, weil ich eigentlich sehr gerne auf meinen Wecker verzichten würde. Ich würde gerne einfach so lange schlafen können, wie es mein Körper benötigt und dann gemütlich aufwachen dürfen. Die Realität sieht bedauernswerterweise etwas anders aus :-), je älter ich allerdings werde, desto verlässlicher wird meine eigene innere Uhr. Nun ist es schon fast täglich so, dass ich einige Minuten vor meinem Weckerklingeln wach werde, was noch vor einigen wenigen Jahren ein Ding der Unmöglichkeit war. Ich gehörte nämlich zu den Aufstehern, die auch noch die letzte Sekunde dösen nutzten und den Wecker 5x auf Schlummermodus stellten. Diese Zeiten sind vorbei, aber ich merke, dass mein Bedürfnis nach selbstbestimmtem Aufwachen immer dann besonders groß ist, wenn ich in einigen anderen Lebensbereichen eine Fremdbestimmung wahrnehme, zum Beispiel in meiner Arbeit. Ich frage mich oft, ob dieses oft gefühlte Hamsterrad, immer zu bestimmten Zeiten irgendetwas zu tun oder irgendwo zu sein, gesund für uns Menschen ist. Andererseits neige ich auch dazu, ohne Struktur zu dümpeln. Also, wie so oft im Leben, muss ein Mittelweg her. Ich versuche, Termine zu fasten, Tage frei zu halten und meinen Wecker am Wochenende nicht zu stellen. Vielleicht kann ich meine Sehnsucht etwas abmildern!

Es ist Zeit…

Meditation 10.11.2020

Seit geraumer Zeit zünde ich so oft ich kann meine wunderschöne Kerze an, setze mich aufrecht hin und übe mich im Meditieren. Ich höre unterschiedlich geführte Meditationen von Dr. Joe Dispenza, Robert Betz, Deepak Choprah, Laura Malina Seiler, Eckart Tolle oder Tenzin Wangyal Rinpoche und versuche, der jeweiligen Anweisung und Stimme zu folgen. Selten fällt es mir aber so schwer, mich auf etwas zu konzentrieren, wie bei der Meditation! Ich konzentriere mich auf meinen Atem, ich atme tief ein und aus, ich schließe die Augen, vermeintlich mache ich alles richtig, ertappe mich aber häufig dabei, mit meinen Gedanken abzuschweifen oder gar einzudämmern. Einige wenige Male habe ich schon Erfolg bei meiner inneren Einkehr haben dürfen und war danach erfüllt und sehr bewusst. Mir geht es mit meinem liebgewonnenen Ritual sehr gut, es hilft mir, zur Ruhe zu kommen oder mich auf die wirklich wichtigen Dinge wie zum Beispiel Dankbarkeit zu besinnen. Ich benötige noch viel Übung darin, ich hätte nie gedacht, dass mich das meditieren so fordert, es lohnt sich aber für mich in jedem Fall, dran zu bleiben. Besonders gerne gehe ich morgens in mich, um meine Präsenz für den vor mir liegenden Tag bewusst zu machen, denn Eckart Tolle weiß, dass nur „Jetzt“ der Moment ist, den wir alle haben. Präsent den Moment zu leben ist ähnlich herausfordernd wie die Meditation, da wir durch verschiedenste Reize ständig vom eigentlichen Jetzt abgelenkt werden. Wenn ich merke, dass ich mit meinen Gedanken ganz wo anders bin als bei dem, was ich im Augenblick tue, schließe ich für drei tiefe Atemzüge die Augen. Dann fühle ich mich körperlich und geistig wieder an dem Ort, an dem ich gerade bin. Meine Erfahrung ist, dass tatsächliche Präsenz viele Abläufe und Situationen klar und einfach macht, Konflikte vermieden werden können und man zeigt, dass man sein Gegenüber oder seine Aufgabe wirklich Ernst nimmt. Das wünsche ich mir für mich und meine Mitmenschen!

Schönen Abend

Lange Schatten 09.11.2020

Heute Morgen beim Gassi Gehen fotografiere ich die schöne Landschaft. Dabei lichte ich meinen eigenen Schatten mit ab. So schön groß bin ich als Schattenbild. Tiefstehende Sonne, langer Schatten! Die Redewendung „das Ereignis wirft lange Schatten voraus“ kommt mir in den Sinn. Etwas, das sehr nachhaltige und langfristige Folgen und Konsequenzen hat. Ich denke über solche Ereignisse nach. Über Unfälle, getroffene Entscheidungen, Gesagtes, Katastrophen, Zufälle… Ich denke, selten sind solche Situationen mit ihren Konsequenzen absehbar, planbar oder im Vorfeld spürbar. Oft lösen sie Schockzustände aus und benötigen sehr viel Aufarbeitungszeit. Automatisch assoziiere ich den langen Schatten negativ, positive lange Schatten erscheinen mir nicht existent. Liegt es am Wort „Schatten“? Ist das für mich zu negativ besetzt? Ich denke weiter. „Ohne Schatten kein Licht“. Auch hier ist es der Schatten, der die schwierigen Seiten symbolisiert. Es gibt aber auch „Schatten spenden“, wenn man der Sonne gnadenlos ausgesetzt ist, weiß man den Schatten sehr zu schätzen. In der Literatur ist der Schatten oft gefährlich, lauernd, verfolgend. Die „Schattenseite des Lebens“ ist die weniger glückhafte Zeit im Leben, die jeder auf die eine oder andere Weise kennenlernt. Für mich stelle ich heute fest, ich mag meinen Schatten. Mein Schatten ist immer bei mir, treu ergeben begleitet er mich, er ist einfach da. Positive lange Schattenereignisse sind mir auch eingefallen. Zum Beispiel die Geburt meiner Tochter. Ein sehr willkommen nachhaltiges Ereignis. Ich versuche, positive lange Schatten zu sammeln. Und herauszufinden, was die negativen Schatten für eine positive Seite oder womöglich sogar Lerneffekte für mich bereithalten.Ich wünsche uns allen noch ganz viele Tage tiefstehende Sonne in diesem November, vor allem weil Sonne glücklich macht, aber auch, weil sie unseren Schatten so wächsen lässt 🙂

Christine

Noch ein Schatten…
Und noch einer…

Die Macht der Gedanken

Gestern habe ich das Buch „Wie wir denken so leben wir“ von James Allen gelesen. Im englischen Original „As a man thinketh“. Ich bin so beeindruckt von diesem schmalen Bändchen, weil James Allen, geboren am 28. November 1864 und gestorben im Jahre 1912 sich eines wichtigen Themas, der Macht unserer Gedanken, angenommen hat und dies mit unfassbar zeitloser Art und Weise beleuchtet. Allen verlor sehr früh seinen Vater und war fortan mit verantwortlich für die Versorgung der Familie und dennoch warf er nicht die Flinte ins Korn und fühlte sich von da ab als Opfer der äußeren Umstände, sondern nahm sein Schicksal selber in die Hand. Er arbeitete sich hoch bis zum Geschäftsführerposten, folgte seinem Traum, Schriftsteller zu werden, sein großes Idol war Leo Tolstoi. Die Kernaussage des Buches ist, dass ein glückliches Leben auf glücklichen, guten, lauteren Gedanken beruht, die sich unter anderem auf die eigenen gesetzten Ziele fokussieren sollten. Handlungen und Verhalten sollten diesen Gedanken entsprechen. Stimmt das Gedankengut mit dem Verhalten überein, ist man auf dem besten Weg, ein glücklicher Mensch zu werden. Ohne Anstrengung ist leider, wie bei allem im Leben, auch hier nichts zu holen, ohne Fleiß kein Preis, Gedankenkontrolle ist ein hartes Training, wie ich zum Beispiel beim Meditieren immer wieder feststelle, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass James Allen mit seinen Überlegungen ins Schwarze trifft. Besonders berührt war ich beim Lesen des Nachwortes, in dem Allens Witwe erwähnt ist wird, die erzählte, dass ihr Mann niemal über etwas rein theoretisches schrieb sondern nur über Dinge, die er selbst erlebt, erfahren, ausprobiert und für brauchbar befunden hat. Ich werde jedenfalls weiterhin versuchen, zu überprüfen, was ich denke, wie ich denke und, falls ich feststelle, es passt nicht zu mir, versuchen, meine Gedanken durch passende zu ersetzen. Eine schöne Herausforderung! Und ein lesenswertes Büchlein!

Schönen Sonntag Abend!

Humor 07.11.2020

Bei aller Herausforderung und schwieriger Situation darf man NIEMALS das Lachen vergessen! Lachen befreit ungemein und lockert jede noch so angespannte Lage unglaublich auf. Treffen mit Menschen, mit denen man viel lachen kann sind so wichtig! Man kann sich selbst jeden Augenblick fragen, ob man eine Situation schwer oder leicht nehmen will, ob es vielleicht sogar witzige Momente in einer schwierigen Lage gibt. Ich kann bei mir eindeutig einen Hang zu rabenschwarzem Humor entdecken, der mir beispielsweise im Wartezimmer im Brustzentrum immer wieder ein Lächeln entlockte. Man müsste mal Aufklärungsarbeit in dieser Branche leisten, finde ich seitdem, weil die einschlägigen Flyer, die man sich zur Information dort mitnehmen kann, verdächtig schwarzseherisch wirken (z.B. „Ein Testament machen“!!!). Hat man eine einigermaßen lange Wartezeit dort und war vor seinem Termin noch guter Dinge und optimistisch, schafft es der Prospekthalter garantiert, Endzeitstimmung zu erzeugen. Schallend lachen musste ich auch, als ich das erste Mal ohne Brustprothese außer Haus ging und erst im Spiegel des Einkaufszentrums bemerkte, dass ich was vergessen hatte.

In Phasen, in denen meine Stimmung zu kippen droht und ich allzu schwermütig in den Tag hineinlebe, suche ich mir eine richtig witzige Komödie heraus. In meinem Fall sind das alte und manchmal auch neue Filme, manchmal welche, die ich schon kenne, damit ich sichergehen kann, dass ich was zu lachen sehe, manchmal traue ich mich auch an neue Filme heran. Ich liebe auch kurze, lustige Videos oder witzige Sprüche und Bilder aus dem Netz. Ab und zu reicht tatsächlich schon, das Gehirn zu überlisten und einfach zu lächeln oder loszulachen. Wichtig ist für mich, ob all der Schwierigkeiten nicht auch noch Trauerfalten im Gesicht zu fördern, da sind mir Lachfalten EINDEUTIG lieber!

In diesem Sinne, einen lustigen Samstag Abend!

Christine

Dieses Bild ist beim Malen zu fröhlicher Musik entstanden

Trauer 05.11.2020

Sie kommt und geht, wann sie will. Sie überfällt mich in Situationen, wenn ich überhaupt nicht damit rechne. Sie fühlt sich schwer, zäh und duster an. Ich wundere mich oft, wenn sie da ist, da doch nun alles in Ordnung ist, ich geheilt bin und dankbar sein kann über meinen ganz persönlichen Weg. Dennoch kommt sie. Und verlangt, dass ich sie Ernst nehme. Ich trauere um den Verlust eines Teiles von mir, über mein vergangenes Leben, das ich so unbedarft nicht mehr leben werde, ich trauere um den Einschnitt, den meine Tochter so jung erleben muss mit all meinen Stimmungen und Begleiterscheinungen, ich trauere um meine nicht genutzten Chancen und Träume, Dinge, die ich vor mir hergeschoben habe, auf später verschoben, die ich vielleicht nicht mehr umsetzen kann. Ich trauere um meine verlorene Unversehrtheit, manchmal fühle ich mich wie ein angeschossenes Reh, das sich im Unterholz versteckt und seine Wunden leckt. Gerade die Trauer ist eine Emotion, die durchlebt werden muss. Laut Elisabeth Kübler-Ross gibt es 5 Phasen der Trauer, die alle individuell verlaufen und unterschiedlich lange dauern (Leugnen, Wut, Verhandeln, Depression, Akzeptanz). Ich bin mit mir selber oft ungeduldig und unbarmherzig, treibe mich an, nun endlich aus diesem Selbstmitleid auszusteigen, das Leben zu genießen, anstatt in Trauer zu versinken. Nur ist das systemimmanent. Die Trauerphasen sind Fakt. Jeder muss auf seine Art durch. Ich übe mich in liebevoller Annahme meiner eigenen Art des Umgangs…