Projektion

Ich nehme in meiner Umgebung wahr, dass ein hoher Prozentsatz an Konflikten durch Projektion entsteht. Gedanken, Gefühle, Muster oder Verhaltensweisen, die man an sich selber nicht mag oder annehmen kann, nimmt man überdeutlich bei seinen Mitmenschen wahr. Die wahrscheinliche Reaktion auf diese Wahrnehmung ist Ablehnung, oft mündend in einem Konflikt. Was wäre wenn nun jeder Mensch seine eigenen abgelehnten Persönlichkeitsanteile erkennen, reflektieren und bearbeiten würde? Ich könnte mir vorstellen, das Miteinander gestaltete sich friedlicher! Um eigenen Muster und Einstellungen, Haltungen und Prägungen auf die Spur zu kommen, ist Selbstreflexion notwendig, aber auch Reflexion von außen. Unser blinder Fleck in der Wahrnehmung der eigenen Person kann nur in der Interaktion mit dem Außen verkleinert werden. Das ist nicht immer einfach und angenehm, aber je kleiner der blinde Fleck wird, desto weniger tappt man in die selben Fallen im sozialen Miteinander. Gerade in Zeiten einer Pandemie ist die Herausforderung, ein erfülltes, soziales Lebens zu führen komplexer denn je. In der Arbeit mit kleinen Kindern ist Reflexion sozusagen das tägliche Brot. Mein professionelles Ich setzt sich automatisch mit der Frage auseinander, ob ich eigene Anteile in der Interaktion mit Kindern einfließen lasse und deshalb so oder anders reagiere. Mein privates Ich allerdings steht auf einem vollkommen anderen Blatt, da gelingt mir in der Interaktion nicht immer die reflektierte projektionsfreie Aktion und Reaktion. Ich habe mir aber fest vorgenommen, fleissig an meinem blinden Fleck zu arbeiten, ihn zu verkleinern… immerhin schon mal ein fester Vorsatz 🙂

Intuition

Die innere Stimme zeigt uns den Weg. Vorausgesetzt, man hört sie an. In den vergangenen Jahren habe ich meine eigene innere Stimme ignoriert. Ich wollte sie die meiste Zeit nicht wahrnehmen, da ich mich entgegen ihrer Impulse verhalten habe und dabei der Realität nicht ins Auge blicken wollte. Rückblickend kann ich sagen, dass ich mir mit meinem Verhalten selbst geschadet habe. Ich habe mich selbst verraten. Seit meiner Zwangspause im vergangenen Jahr verlasse ich mich immer öfter auf meinen inneren Kompass und siehe da, ich fühle mich wohl mit mir selber. Meine frühere Taktik, mich in jeglicher Form von mir selber abzulenken, ist Geschichte. Heute genieße ich, bewusst meiner Intuition zu folgen, ich höre in mich und wäge vorsichtig ab. Dadurch fühle ich mich klarer im Umgang mit meinen Mitmenschen, ich verzettele mich nicht mit Terminen und mir bleibt am Ende des Tages mehr Energie, um mich den Dingen zu widmen, die ich wirklich gerne mag. Es bedurfte bei mir eines Warnschusses, ehe ich mich selber Ernst- und wahrnehmen lernte. Das geht bestimmt auch ohne. Insgesamt fühlt es sich klasse an, selber zu entscheiden, die Zügel in der Hand zu haben, das Leben bewusst zu lenken und nichts einfach nur über mich ergehen zu lassen und rechtzeitig die Notbremse zu ziehen. Den nötigen Halt, um komplett meine eigene Verantwortung für mich übernehmen zu können, gibt mir tatsächlich meine Intuition. Um sie zu trainieren, benötige ich Meditation, das regelmäßige Schreiben und Dokumentieren und ehrliche Selbst- und Fremdreflexion. Darin Zeit zu investieren, zahlt sich allerdings in meinem Fall unglaublich positiv aus. Ich stehe wieder im Kontakt zu mir selbst!

Schönen Ostermontag an alle!

Vorbild

Zu meinem heutigen Beitrag hat mich ein Gespräch mit einer Freundin inspiriert. Wir unterhielten uns über das Vorbild-Sein für unsere Kinder. Ein Vorbild zu sein ist eine ordentliche Herausforderung, besonders Kinder identifizieren SOFORT, falls die Haltung und die Handlung nicht übereinstimmen. Im besten Fall hinterfragen sie einen dann, im weniger direkten, vor allem wenn sie noch kleiner sind und die Sprache noch nicht so gut beherrschen, verhalten sie sich in unseren Augen eigenartig. So kann ich zum Beispiel sicher gehen, dass eine Gruppe von Kindern auf meine Anweisung, beim Mittagessen leise zu sprechen, sicher nicht mitspielt, wenn ich selber mit meinen Kollegen nicht leise bin. In meiner pädagogischen Arbeit reflektieren wir häufig gemeinsam im Team unsere Haltung, unser Tun und unser Handeln. Im privaten Bereich mache ich das nicht so häufig. Unser heutiges Gespräch hat mich aber dazu angeregt, auch mal wieder über mein Vorbild meiner Tochter gegenüber nachzudenken. Dabei erkenne ich durchaus kleine und größere „Schnitzer“ in meiner Erziehungsrolle und meinem Vorleben, die mich wieder motivieren, weniger bei anderen hinzuschauen, als bei mir selbst, also vor meiner eigenen Haustüre zu kehren, wie man so schön sagt. Es schadet sicher nicht, auch mal das Kind in derlei Überlegungen einzubeziehen, auch wenn das durchaus Gefahren birgt und man mit eigenen möglichen Persönlichkeitzügen konfrontiert wird, die man an sich vielleicht nicht so gerne mag. Ich glaube aber fest daran, dass mein blinder Fleck, also das, was ich über mich selber nicht weiß, nur durch Spiegelung verkleinert werden kann. Und der authentischste Spiegel, den wir im Leben vorgehalten bekommen, sind unsere Kinder!

Heute morgen…