Haltung

Heute ist mir eine Anliegen, über die eigene innere Haltung zu schreiben (ist nicht das erste und bestimmt nicht das letzte Mal!). Grundsätzlich bin ich ein Viel-Leser (vor allem Bücher), vermeide Nachrichten in Zeitungen und Fernsehen und allzuviel Social Media Aktivität, weil ich merke, dass mich diese Art der Information stark in Beschlag nimmt und mir Zeit raubt, die ich lieber für das gegenwärtige Leben übrig habe. Gerade in unserer heutigen Zeit geprägt von einer Pandemie, die für niemanden überschaubar war, ist oder sein wird, bin ich umso stärker der Meinung, dass es ungeheuer wichtig ist, sich auf sich selbst zu konzentrieren und beim eigenen Weg, bei der eigenen inneren Haltung zu bleiben. Man kann leicht vom Weg abkommen, wenn man sich von meinungsbildenden Medien beeinflussen lässt. Jeder, der andere von seinen eigenen Idealen und Überzeugungen bekehren möchte, findet unzählige Platformen und Möglichkeiten, die eigene Wahrheit kundzutun. Es gibt aber nicht DIE Wahrheit, jeder kann auf seine Weise, aus seiner Perspektive zum Beispiel in einem Konflikt Recht haben. Ich wünsche mir, dass die Menschen sich viel öfter stehen lassen und einander respektieren, versuchen, in den Schuhen des Anderen zu gehen und voneinander profitieren. Die Ablenkung durch unsere modernen Medien schafft oft bei mir Verunsicherung und ich habe gemerkt, es lebt sich viel angenehmer im Vertrauen. Ich verwende meine Lebenszeit lieber darauf, mein Vertrauen ins Leben zu stärken. Dann kann ich auch für andere stark sein.

Der größenwahnsinnige Erpel

Heute handelt mein Beitrag über Robin, unseren persönlich großgezogenen Laufentenerpel, der momentan vor lauter Hormonen nicht mehr ein und aus weiß. Als er klein und süß war, durfte man ihn auf dem Bauch halten, er liebte Körperkontakt. Nun ist unser Alltag davon geprägt, dass Robin „seine“ Damen ständig meint, verteidigen zu müssen. Er greift unter Umständen an, was ihn seine Nähe kommt. Unter anderem unseren Jadghund Nelly, Katzen, mich oder meine Tochter. Sogar sein Vater Pauli wird gnadenlos attackiert. Weglaufen ist keine Option, da wird er sogar noch wilder. Sein Schnabel ist schön rund, also kann er uns nicht wirklich verletzen, aber sein Mut ist beeindruckend, ebenso seine Ausdauer und Wachsamkeit. Sobald man am Entenweiher vorbeischleicht, wenn auch noch so leise und vorsichtig, kommt er furchtlos wie ein Torpedo durchs Wasser gepflügt und rennt aufgebracht herbei. Ich hoffe, es bleibt dabei, dass er nur seine Bezugspersonen jagt 🙂 Wir haben mit ihm so viel zu lachen, meine Tochter packt ihn, wenn er zudringlich wird und hebt ihn hoch, dann ist er ganz kurz vor Ehrfurcht erstarrt, bevor er wieder loslegt. Ich muss durch ihn ganz oft an die fantastischen Krimis von Thomas Krüger (zum Beispiel „Erwin, Mord und Ente“)denken, in denen Laufenten eine tragende Rolle spielen. Übrigens ein noch größeres Vergnügen als Hörbuch gelesen von Dietmar Bär. Robin könnte eindeutig der Star eines Romans werden!

Vorne im Bild: der mutige Erpel

Das Fühlen nicht vergessen

Ich habe nach einiger Zeit der Rekonvaleszenz wieder mit Arbeiten begonnen. Um mich mental auf die Veränderung einzustellen, wandte ich mich nach innen und habe wahrnehmen dürfen, was meine Intuition mir im Bezug auf den Neustart mit auf den Weg gab. Jenseits von Dankbarkeit, Gelassenheit, Fröhlichkeit, positiver Einstellung, Herzenswärme, Offenheit, Mut, Professionalität, Klarheit und Präsenz war der Ratschlag meiner inneren Stimme, zwischendurch das Fühlen nicht zu vergessen. Ein wertvoller Rat finde ich. Meine Gefühle sind ein unverzichtbarer Wegweiser durch den Dschungel des Alltags für mich geworden, vor allem in den letzten Monaten. Sich zwischendurch zu fragen, wie sich etwas anfühlt, um herauszufinden, ob man auf dem richtigen Weg ist, ist essentiell wichtig, um sich selbst und seine Gefühle Ernst zu nehmen und die Selbstwahrnehmung zu trainieren. Gleichzeitig wird man achtsamer seinen Mitmenschen gegenüber, da man ihnen auch eine eigene Gefühlswelt zugesteht. Also, vergesst in Eurem Alltag auf keinen Fall das Fühlen!

Ganz liebe Grüße, Christine

Alles hat seine Zeit

…und ich vergesse immer wieder, wie schön jede einzelne Jahreszeit ist, wie sehr ich die Übergänge genieße und wie es mich mit Staunen erfüllt, etwas, was ich nun schon gut vierzig Jahre kenne und erlebe, so freudig wahrzunehmen. Seit einigen Tagen herrscht große Frequenz bei den Starenkästen am gegenüberliegenden Haus. Männchen putzen, werfen altes Nistmaterial hinaus und bringen fleißig neues, zwischendurch pausieren sie besitzergreifend auf „ihrem“ jeweiligen Häuschen und singen sich die Seele aus dem Leib. Ab und zu kommt Damenbesuch zur Begutachtung. Ich beobachte mit stiller Freude das Tun der Vögel, lang wird es nicht dauern, dann bekommen die Stare Nachwuchs, der dann fordernd nach ständiger Fütterung die Schnäbelchen aus den Eingangslöchern der Kästen streckt. Der Jahreslauf läuft einfach. Ohne Festzuhängen an Vergangenem. Ich hänge manchmal fest im Bedauern, dass eine bestimmte Zeit vorüber ist, schon wieder vergangen sein soll, zum Beispiel liebe ich die Weihnachtszeit und bin wehmütig, wenn der Höhepunkt verstrichen ist, weil ich dann weiß, dass ich wieder eine geraume Zeit auf das nächste Weihnachten warten muss. Ich vergesse tatsächlich immer, dass ich darauf vertrauen darf, dass etwas Neues, Schönes schon ganz nah ist. In diesem Fall die Ankunft des Frühlings, das Aufblühen der Natur. In den kommenden Wochen werde ich wieder zur Amphibienhelferin, auch das ist ein untrügliches Zeichen, dass der Frühling kommt. Ich genieße die Zeit mit den Fröschen und Kröten sehr, manchmal trage ich Hunderte in nur einer Stunde über die Straße. Dabei wünsche ich mir jedes Jahr mehr achtsame Autofahrer, die nicht einfach über die kleinen Tierchen hinwegrauschen, sondern in ihnen ihr wertvolles Leben und ihre Wichtigkeit für unser Ökosystem erkennen. Ich atme tief durch und ich weiß, dass jeder Mensch seine Erkenntnisse in seinem eigenen Tempo erreicht, niemand von außen kann etwas beeinflussen oder gar erzwingen. Ich freue mich erleichtert wieder über die Erkenntnis, dass das Leben nun zwar wieder anders als zu Weihnachten ist, aber nicht schlechter, im Gegenteil. Jede Zeit hält ihre Geschenke für uns bereit. Man darf sich vertrauensvoll von Gewohntem lösen und neugierig auf Neues zugehen! Einen schönen Frühlingsanfang!

Erdkröten nach erfolgreicher Rettung

Einer unserer bester Freunde…

…ist unser Körper! Er geht mit uns durch dick und dünn, unterstützt uns in jeder Lebenslage wohlwollend und nach seinen besten Kräften und ist langmütig und geduldig mit unseren Lebensweisen. Der Wert meines Körpers ist mir erst so richtig im vergangenen Jahr bewusst geworden, als er sozusagen schlapp machte, nach allem, was ich ihm über die Jahre zugemutet habe. Abgesehen von schlechter Ernährungsweise, zu wenig Bewegung und Schlaf, zu wenig Wertschätzung auch das konsequente Ignorieren der Hilferufe meiner Seele nach Veränderung meines Umgangs mit mir selbst. Für mich wurde es dringend Zeit, meinem Körper die Wertschätzung und Aufmerksamkeit zu schenken, die er sich durch seine jahrelange unentgeltliche Unterstützung verdient hat. Ein Satz von Jens Heuchemer, dessen Podcast ich ganz gerne höre, sagt sinngemäß „Wer nicht für seinen Körper und sein Wohlbefinden arbeitet, arbeitet dagegen“. Dieser Satz hängt nun über meinem Schreibtisch und erinnert mich daran, mich zwischendurch immer wieder zu bewegen und meinem Körper zu danken. Ich merke, dass ich wesentlich sensibler werde, wenn sich zum Beispiel Anzeichen von Unwohlsein in mir meldet. Die Komplexität des menschlichen Körpers mit all seinen Prozessen, die automatisch jeden Tag ablaufen, ist so unglaublich faszinierend, ein richtiges Wunder, das man würdigen und pflegen darf! Schließlich sind wir ein Team fürs Leben!

Auch Ausruhen gehört zur Körperpflege… die Hunde machen es vor!

Klirrende Kälte

Es ist heute sehr kalt und sehr klar. Meine Laufenten entscheiden selber, ob sie noch aus dem Stall gehen oder lieber drin bleiben, bis -15 Grad stören sie sich nicht an Kälte. Unser Thermomenter sagt knapp unter -10 tagsüber, nachts deutlich kälter. Noch gehen sie raus, ein Indiz für mich, dass es ihnen gefällt und gut geht. Ich habe in meinen vier Jahren Laufentenhaltung noch nicht erlebt, dass sie im Stall geblieben wären. Keinen einzigen Tag.

Dank Hunden muss ich ja auch raus, und die Erfahrung ist wie immer wundervoll. Bei meinem Morgenspaziergang bläst mir ein eisiger Wind bei Sonnenschein ins Gesicht und meine Kleidungsschichten halten gerade so die Kälte ab. Ich empfinde die klirrende Kälte als reinigend, den Wind als Helfer, alle unerwünschten Gedanken möglichst schnell fortzutragen und altes loslassen zu dürfen. Das gleissende Licht schmerzt anfangs in den Augen, vor allem in Kombination mit dem Pulverschnee, aber auch daran gewöhne ich mich. Hätte ich die Wahl, wäre ich vielleicht lieber in meinen warmen vier Wänden geblieben. Dann hätte ich nicht diese Winterschönheit wahrnehmen können. Außerdem weiß ich, dass ich nicht diese Zufriedenheit in mir spüre, wenn ich mich nicht bewegt hätte. Für mich lohnt es sich immer, raus zu gehen, auch wenn ich manches Mal einen ordentlichen Schubs von meinem Hund benötige! Genießt die Natur in vollen Zügen, sie ist uns geschenkt und macht jeden Augenblick reich!

Mascha Kalèkos „Sozusagen Grundlos Vergnügt“

Diesen Text möchte ich heute mit Euch teilen, denn ich finde ihn unfassbar schön! Er passt gerade zu meiner Stimmung, zu den ersten Frühlingsgefühlen, die ich um mich herum wahrnehme, die Vögel singen schon und sammeln Nistmaterial, die Tage werden merklich heller, mein Laufentenerpel wird größenwahnsinnig, stolziert und greift vor Übermut meine Hunde an und die Laufentenmädchen legen Eier wie verrückt. Und ich? Ich freu mich einfach! Immer wieder! Das wünsche ich Euch auch!

„Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen

Und dass es regnet, hagelt, friert und schneit.

Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,

Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.

Dass Amseln flöten und dass Immen summen,

Dass Mücken stechen und dass Brummer brummen.

Dass rote Luftballons ins Blaue steigen.

Dass Spatzen schwatzen. Und dass Fische schweigen.

Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht

Und dass die Sonne täglich neu aufgeht.

Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,

Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,

Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.

Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!

Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.

Ich freue mich vor allem, dass ich bin.

Im mit ist alles aufgeräumt und heiter:

Die Diele blitzt, das Feuer ist geschürt.

An solchen Tagen erklettert man die Leiter,

Die von der Erde in den Himmel führt.

Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,

-Weil er sich selber liebt- den Nächsten lieben.

Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne

Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.

Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu!

Ich freue mich, dass ich…

Dass ich mich freu.“

„Lieben, was ist“

Diese Worte von Byron Katie sind eine tolle Anleitung für das Leben. Und eine ausgesprochen gute Übung, eigene Bewertungen zu überprüfen. In der Bewertung liegt so viel Potenzial zum Unglücklichsein, während im Versuch, Dinge anzunehmen wie sie sind, Heilung liegt. Wir sind häufig gefangen in einer Vorstellung, wie etwas sein muss oder zu sein hat, geprägt sind wir von unserer Kultur, unseren Erfahrungen und unserer Erziehung. „In den Schuhen eines anderen gehen“, ein Perspektivenwechsel bringt mit sich, eine Vorstellung überprüfen zu können. Hilfreich sind Menschen, mit denen man sich über seine Erkenntnisse austauschen kann. Lieben was ist. Egal, was uns das Leben bereithält. Ohne Bürde des Einsortierens in gut oder schlecht, angenehm oder unangenehm, gut oder böse, einfach durch eine neutrale Betrachtung dessen, was ist… fällt das Leben leichter. Unendlich leichter. Ich habe mir Byron Katies Spruch an einige Stellen gepinnt, um mich immer wieder daran zu erinnern. Das inspiriert mich jeden Tag von Neuem!

Superhelden

Alltagshelden, die in meinen Augen Superhelden sind machen das Leben immer ein wenig schöner und reicher, weil sie einfach machen statt nur zu reden, weil sie hilfsbereit, aufmerksam, achtsam, geduldig und zugewandt sind. Sie brauchen keine Bühne oder Anerkennung eines Publikums, für sie ist einfach selbstverständlich, da zu sein, wenn sie gebraucht werden. Die unaufgeregte, unkomplizierte Art und Weise, wie Menschen sich füreinander engangieren, begeistert mich immer wieder. Ich habe selbst sehr viel profitiert von diesem lebensbejahenden und menschenfreundlichen Handeln. Gerade die Anteilnahme im vergangenen Jahr hat mich immer wieder mit Erstaunen und Dankbarkeit erfüllt. Es ist lohnenswert, im Alltag nicht nur stur geradeaus zu gehen, sondern nach links und rechts zu sehen oder abzubiegen, um Zeit, Aufmerksamkeit, Hilfe oder etwas Ähnliches zu geben. Es steigert unser Wohlbefinden und die eigene Zufriedenheit. Manchmal heißt das natürlich, aus der eigenen Komfortzone heraus zu treten, etwas Unbequemes zu erledigen oder sich nicht mit dem beschäftigen zu können, was man liebt. Gerade dabei macht man oft die ungewöhnlichsten Erfahrungen und entwickelt sich weiter. Und als der Empfangende fühlt man sich getragen, wichtig und berührt. Danke an alle Alltagshelden und Superhelden dieser Erde!

Loslassen

Mir begegnet momentan auffällig häufig in unterschiedlichen Kontexten das Wort „Loslassen“. Bei meiner Yogapraxis, in Zeitschriften und Büchern, in Dokumentationen, in Gesprächen mit Freunden. Das ist in Zeiten einer Pandemie natürlich nicht verwunderlich, da wir ja seit fast einem Jahr trainieren müssen, unsere alten Gewohnheiten, Erwartungen und Leben loszulassen, weil sie in der gewohnten Form im Moment nicht umsetzbar sind. Ich hatte in der Vergangenheit schon ein paar Mal die Ehre, sterbende Menschen zu begleiten, was ich als unglaublich wertvoll für mein eigenes Leben erachte. Ich habe den Moment des Loslassens der jeweiligen Person als sehr befreiend und friedlich erlebt. In meiner momentanen „Bibel“, dem „tibetischen Buch vom Leben und Sterben“ kann man den Rat nachlesen, alles um sich herum als vergänglich zu betrachten, nichts festhalten zu wollen oder sich an etwas zu klammern. Den Rat anzunehmen und zu beherzigen klingt für mich wie eine große Herausforderung und ist es auch. Eine Bestandsaufnahme über die Dinge, an die ich mich „klammere“, ist ein sinnvoller erster Schritt für mich, in schriftlicher Form versteht sich, weil Schreiben meine Leidenschaft ist. Nun gelingt mir gedanklich vermeintlich relativ einfach, mich von materiellen Dingen unabhängig zu sehen. Um ein vielfaches schwieriger fällt mir der Gedanke, dass meine Tiere und vor allem meine Familie und Freunde vergänglich sind und nicht für die Ewigkeit meine Begleiter bleiben. Für mich eine Vorstellung, die ich in kleinen feinen Dosen an mich heranlassen muss, allzu unangenehm ist sie. Ich habe aber im Laufe meines Lebens erfahren dürfen, dass die größten Ängste immer kleiner werden, je öfter man sie durchfühlt. Dazu eignet sich wundervoll die tägliche Meditation, in welcher Form auch immer. Laut buddhistischer Lehre führt das absolute Loslassen-Können zum größten Glück und dazu, das eigene Gehen in der Zukunft annehmen zu können. Für mich ein Training, das sich lohnt!

Die Natur ist für mich im Annahmeprozess und Vertrauen bleiben ein Lehrmeister. Alles wird und vergeht zu seiner Zeit.