Froschauge

Gestern Abend war ich wieder Amphibienretterin. Leider sind dieses Jahr durch die Kälte sehr wenig Amphibien unterwegs. Eine Freundin hat mich mit ihrer Tochter schon mehrmals begleitet und nie hatten wir zusammen auch nur eine einzige Kröte entdeckt. Gestern Abend hatten wir dann endlich Glück und fanden gleich am Anfang des Schutzzauns ein Pärchen. Wir haben über eine Stunde gesucht und dann tatsächlich insgesamt 14 Erdkröten vor dem sicheren Unfalltod retten können. Da nun auch schon einige Amphibien wieder auf dem Rückweg zum Sommerquartier sind, muss man auch in die andere Richtung Taxi spielen. Lustig ist es immer bei den Kandidaten, die nicht eindeutig zeigen, wo sie hinwollen. Schon manches Mal habe ich mir gedacht, dass ich den einen oder anderen in die falsche Richtung gebracht habe. Dann beginnt dessen mühevolle Reise von vorn. Vor allem bei kalten Temperaturen bewegen sich die armen Kröten noch langsamer als im Warmen. Ein Krötenmännchen hat sich so im Gras versteckt, dass nur das Gesicht zu sehen war. Meine kleine Begleiterin war fasziniert, dass ich im Dunkeln dieses Exemplar entdeckt habe. Müssen sich wohl im Laufe der Jahre Froschaugen bei mir gebildet haben 🙂 Am Weiher bewunderten wir dann die Schwimmkünste der Kröten im Dunkeln und genossen den trockenen Abend. Eine achtsame Wellnesseinheit an der frischen Luft mit dem Wissen, etwas Wertvolles zu tun. Schön wars!

Alles hat seine Zeit

…und ich vergesse immer wieder, wie schön jede einzelne Jahreszeit ist, wie sehr ich die Übergänge genieße und wie es mich mit Staunen erfüllt, etwas, was ich nun schon gut vierzig Jahre kenne und erlebe, so freudig wahrzunehmen. Seit einigen Tagen herrscht große Frequenz bei den Starenkästen am gegenüberliegenden Haus. Männchen putzen, werfen altes Nistmaterial hinaus und bringen fleißig neues, zwischendurch pausieren sie besitzergreifend auf „ihrem“ jeweiligen Häuschen und singen sich die Seele aus dem Leib. Ab und zu kommt Damenbesuch zur Begutachtung. Ich beobachte mit stiller Freude das Tun der Vögel, lang wird es nicht dauern, dann bekommen die Stare Nachwuchs, der dann fordernd nach ständiger Fütterung die Schnäbelchen aus den Eingangslöchern der Kästen streckt. Der Jahreslauf läuft einfach. Ohne Festzuhängen an Vergangenem. Ich hänge manchmal fest im Bedauern, dass eine bestimmte Zeit vorüber ist, schon wieder vergangen sein soll, zum Beispiel liebe ich die Weihnachtszeit und bin wehmütig, wenn der Höhepunkt verstrichen ist, weil ich dann weiß, dass ich wieder eine geraume Zeit auf das nächste Weihnachten warten muss. Ich vergesse tatsächlich immer, dass ich darauf vertrauen darf, dass etwas Neues, Schönes schon ganz nah ist. In diesem Fall die Ankunft des Frühlings, das Aufblühen der Natur. In den kommenden Wochen werde ich wieder zur Amphibienhelferin, auch das ist ein untrügliches Zeichen, dass der Frühling kommt. Ich genieße die Zeit mit den Fröschen und Kröten sehr, manchmal trage ich Hunderte in nur einer Stunde über die Straße. Dabei wünsche ich mir jedes Jahr mehr achtsame Autofahrer, die nicht einfach über die kleinen Tierchen hinwegrauschen, sondern in ihnen ihr wertvolles Leben und ihre Wichtigkeit für unser Ökosystem erkennen. Ich atme tief durch und ich weiß, dass jeder Mensch seine Erkenntnisse in seinem eigenen Tempo erreicht, niemand von außen kann etwas beeinflussen oder gar erzwingen. Ich freue mich erleichtert wieder über die Erkenntnis, dass das Leben nun zwar wieder anders als zu Weihnachten ist, aber nicht schlechter, im Gegenteil. Jede Zeit hält ihre Geschenke für uns bereit. Man darf sich vertrauensvoll von Gewohntem lösen und neugierig auf Neues zugehen! Einen schönen Frühlingsanfang!

Erdkröten nach erfolgreicher Rettung