Hoch die Hände, Wochenende??

Ein Leben, das nur noch auf das Wochenende konzentriert ist, erscheint mir doch sehr trist! Schaut man auf die Anzahl der Wochenenden im Jahr, so sind die „Werktage“, sprich Arbeitstage, eindeutig in der Überzahl! Es hat sich eingeschlichen, dass die normalen Wochentage bei so manchem nur noch „zum Absitzen“ und Aushalten da sind. Fleissig unterstützt wird diese Einstellung häufig durch Radiosendungen, Social Media Beiträgen und sonstigen Scheinweltenvermittlern. Man lebt nur noch auf das Wochenende hin, unter der Woche muss man ja arbeiten und seine Pflicht erfüllen, das kann ja nicht erfreuen und glücklich machen, oder?

Mark Twain sagte: „Gib jedem Tag die Chance, der Schönste deines Lebens zu werden.“ Seit meiner Diagnose vor bald einem Jahr kann ich dieses Zitat nicht oft genug lesen! Ich habe mir nichts sehnlicher gewünscht, als meine Diagnose mit meinem banalen Alltag einzutauschen, ich hätte auch die Wochenenden geopfert, nur um dieser Krankheit aus dem Weg zu gehen. Wir benutzen oft leichtfertig Worte, sind zu wenig dankbar über die kleinen und großen Geschenke des Lebens und anscheinend sehr menschlich ist, erst die eigene sorglose Situation schätzen zu lernen, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, eine Krise hat und schmerzhaft erkennt, wie gut es einem vorher ging. Robert Betz hat heute in seinem Spruch des Tages sinngemäß vermittelt, dass Dankbarkeit der Schlüssel für ein erfülltes Leben ist. Die Geschenke des Lebens darf man erkennen, unter anderem das Allergrößte, das eigene Lebens selbst. Ich finde, es ist nochmal eine Überlegung wert, über die fünf Arbeitstage nachzudenken. Sie verdienen genauso Wertschätzung wie unsere Wochenenden (an dem auch einige Menschen arbeiten). Jeder Tag ist uns geschenkt, es liegt an uns, wie wir unsere Zeit gestalten!

Dankbarkeit

Ich fühle sie oft, darf sie aber noch viel öfter fühlen! Auf meiner heutigen sonnigen Wanderung (wie war das mit dem Nebel und dem tristen Wetter im November nochmal??? 🙂 ) ist die Luft klar, die Sicht unglaublich weit und die Farben satt. Ich fühle mich frei, atme tief ein und aus und genieße die warmen Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht. Ich höre noch den einen oder anderen Singvogel im Wald, das erfüllt mich immer mit besonderer Freude, da ich Vogelgesang immer mit angenehmen Gefühlen, Erlebnissen und Erfahrungen assoziiere. Das Leben bietet ununterbrochen von morgens bis abends Anlässe zur Dankbarkeit. Spätestens, wenn man mal, wie von Achtsamkeitstrainern empfohlen, ein Dankbarkeitstagebuch führt, merkt man, wie vielfältig uns das kleine Glück täglich begleitet. Ich nehme wahr, dass ich Dankbarkeit üben kann. Ich kann mir täglich vornehmen, dankbar zu sein. Es gelingt mir im Leben mal besser, mal schlechter, wie so ziemlich alles andere auch. Die Wirkung ist allerdings enorm, ich bin viel zufriedener, aufmerksamer, achtsamer und gelassener als früher, richte meine Augenmerk und meiner Energie viel öfter auf das berühmte halbvolle Glas als auf das halbleere. Heute bin ich dankbar für meine Gesundheit, das schöne Wetter, mein gutes Essen, meine gesunde Tochter, meine Wohnung, gute Gespräche, ein gutes Buch … wofür bist du heute dankbar?

Einen wunderschönen Sonntagabend!

Christine