Der Valebo-Effekt

Heute möchte ich gerne Inhalte aus einem Artikel der Zeitschrift „Natur und Heilen“, Ausgabe Februar 2/2026 mit euch teilen, mit denen ich stark in Resonanz ging.

Als ich Krebs hatte, habe ich mich intensiv mit dem Thema „Selbstheilung“ auseinandergesetzt und meiner Intuition folgend viele Bereiche in meinem Leben umgestaltet, um gesund werden zu können. Beispielsweise habe ich mich mit Menschen umgeben, die mein Vertrauen in mich selber verstärkten, anstatt es durch gedankenlose Kommentare (beispielsweise: „Ach Gott, du Arme! Meine Schwägerin ist erst vor drei Monaten an Brustkrebs verstorben!“) zu schwächen.

Im Alltag kümmerte ich mich um meinen Körper, Geist und Seele, veränderte Routinen, las mich in viele Themen ein und nun finde ich in besagtem Artikel einen Namen für meine Überzeugung, die in meiner Genesungsphase immer stärker heranwuchs: der Valebo-Effekt!

Dieser bedeutet, laut Professor Doktor Hartmut Schröder, der sich intensiv damit auseinandersetzt:

„Der Valebo-Effekt ist der eigentliche Placebo-Effekt-der innere Heiler wird auf den Plan gerufen und darf wirken. Das Wort Valebo ist vom lateinischen Verb valere abgeleitet und kann wie folgt verstanden werden: ich werde gelten. Ich werde Einfluss haben. Ich werde gesund sein. Ich werde mich wohlfühlen.“ Dies bedeutet, nicht hilflos ausgeliefert zu sein, sondern beeinflussen zu können, sich selbst vertrauen zu können, was Körper, Geist und Seele brauchen, um gesund zu werden.

Ich habe 2020 immer wieder gedacht und formuliert: für mich das Wichtigste ist, selbst gestalten zu können, etwas beitragen zu können jenseits der fantastischen Schulmedizin, die mir das Leben gerettet hat. Das macht mir immer wieder Mut und schenkt mir Vertrauen in mich selbst!

Ich wünsche euch allen eine wundervolle Woche!

Zeichen

Gestern hatte ich frei. Immer, wenn ich frei habe und den Tag nicht von früh bis spät angefüllt habe mit Aktivitäten, sondern bewusst den Plan hege, mich treiben zu lassen, rutsche ich kurz oder auch längerfristig in eine Hilflosigkeit, eine Antriebslosigkeit, Überforderung und Verzweiflung über meinen Daseinssinn.

Gestern war das ungefähr eine halbe Stunde der Fall. Um die Mittagszeit. Ich kenne aber durchaus die Situation, dass ich in diesem Zustand einen ganzen Tag stecke. Früher sogar einen kompletten Urlaub lang. Ich habe Strategien entwickelt, um aus dem Zustand herauszufinden, gestern ging ich beherzt raus in die eiskalte, sonnige, frostige Winterlandschaft mit meinem Hund und just in dem Moment, als der Zweifel am größten war, fand ich ein Herz aus Eis am Boden. Ein Zeichen für mich. Ein Zeichen, die Liebe in den Mittelpunkt meines Lebens zu stellen, liebevoll mit mir selber umzugehen, vor allem in Phasen des Zweifels und der Herausforderung. Ein Zeichen, dass ich niemals alleine bin!

Auf das Dunkel folgt immer Licht!

Bleibt im Vertrauen!

Christine

Eine wertvolle Arbeit

Neben der unglaublich bereichernden Arbeit in der Begleitung von Sterbenden hat der Hospizverein meines Vertrauens eine weitere sinn-und wertvolle, so wichtige Aufgabe übernommen: die Begleitung trauernder Kinder und Jugendlicher, die Angehörige verloren haben.

In Familien, die mit einer sterbenden oder verstorbenen geliebten Person konfrontiert sind, bleibt nicht selten wenig Platz für die ganz eigene Trauer von Kindern und Jugendlichen, nicht zuletzt weil diese vollkommen anders trauern als Erwachsene. Pflegeintensive kranke Angehörige bedürfen neben organisatorischen Herausforderungen, die man zu stemmen hat, natürlich Zuwendung und Fürsorge, das kostet alle Beteiligten enorme Energie. Energie, die oft an anderer Stelle eingespart werden muss, um weiterhin die große Herausforderung zu meistern.

Kinder und Jugendliche fallen in diesen Zeiten oft „hinten runter“, vor allem, wenn sie „pflegeleicht“ sind. Manchmal tragen sie auch enorm viel an Verantwortung oder Pflege mit.

Für all diese Kinder und Jugendlichen gibt es die Trauergruppe. Dort treffen sich unter Anleitung alle im „gleichen Boot“, haben Raum zu Sein, zum Reden, zum kreativen Tun und auch zum allerwichtigsten, was oft zu wenig Platz hat, zum Fühlen!

Was für ein toller ehrenamtlicher Beitrag in unserer Gesellschaft!

Eine wunderschöne Woche!

Christine

Bilanz nach über fünf Jahren

Mein Turnus der Krebs Vorsorge hat sich nach fünf Jahren nun verändert. Ich muss nicht mehr jedes Vierteljahr zur Kontrolle, die Abstände sind länger, die Sicherheit und das Vertrauen in die Termine mit jedem Mal gewachsen, als nichts festgestellt wurde.

Heute ist es wieder so weit. Ein Kontrolltermin steht an. Heute bin ich nachdenklicher und emotionaler als die letzten Male. Hat das etwas zu bedeuten? Habe ich eine Vorahnung? Aus meiner Erfahrung heraus nicht, einige Male war ich nicht in meiner Mitte vor einem Termin. Die eigene Endlichkeit rückt einfach wieder ein Stückchen ins Bewusstsein in diesen Zeiten. Die meiste Zeit gelingt ein gesundes Verdrängen und distanzieren sehr gut. Das habe ich mir während der Krankheitszeit nicht vorstellen können, ich dachte, mein Bewusstsein bleibt mein restliches Leben beherrscht vom Brustkrebs.

Wie schön, dass es nicht so ist, wie schön, dass wir Menschen anpassungsfähig sind und Zeit viele Wunden heilt!

Eine wunderschöne Woche

Christine

Wo Licht und Wärme sind, sind auch Dunkelheit und Kälte

Diesen Satz lese ich heute in meiner Reflexion zur sechsten Rauhnacht.

Wie wahr und wie nah nebeneinander! Und nicht selten auch herbeigesehnt, zum Beispiel an besonders heißen Tagen, wenn die Sonne herabbrennt und man sich nichts sehnlicher wünscht als etwas Schatten und Kühle.

Ich durchlebe immer wieder Zeiten des Glücks, der Zufriedenheit und der inneren Stabilität, ebenso häufig überkommt mich Leere, Sinnlosigkeit, Traurigkeit. Diese Phasen würde ich nur als gerne schnell wieder wegdrücken und in Glückseligkeit verwandeln. Geht leider nicht. Diese Zustände dürfen ausgehalten und durchlebt werden, denn sie trainieren mich in Dankbarkeit und Wertschätzung.

Ich bin mir nicht sicher, ob ein Leben voller Glück und andauernden Hochs die Notwendigkeit der Dankbarkeit fühlbar nahegebracht hätte.Auf dem Lebensweg Herausforderungen zu meistern, ist Teil unserer Aufgaben. In schwierigen Phasen besinne ich mich immer bewusst auf im-Vertrauen-bleiben und bin nicht selten überrascht, wenn mein Gemütszustand sich flott wieder verändert, obwohl ich das nicht für möglich gehalten habe!

Ich wünsche euch viel Vertrauen im Jahr 2026!

Christine

Mut fürs Leben

Vor allem in dieser Jahreszeit mit dem nahenden Weihnachtsfest klafft die Lücke im Herzen, im Leben, im Alltag bei all jenen, die Menschen in der vergangenen gehen ließen/lassen mussten oft besonders offen und schmerzhaft.

Es gibt kein Kleinreden des Schmerzes, oft keinen wirklichen Trost von außen. Für mich ist dies jenseits meiner Diagnose und des Wegs meiner Heilung eines der Lebensthemen, in denen man erkennt, erlebt und wirklich hautnah erfährt, dass man auf sich zurückgeworfen ist und diese Herausforderung ganz allein bestehen muss. Ja, es gibt im besten Fall Menschen, die tiefes Verständnis und Trost spenden können. Das ist in jedem Fall wertvoll und wunderbar. Dennoch stecken sie in eigenen Leben und Körpern mit eigenen Themen und Gefühlen, können also niemals die Tragweite erfahren, mit der ich selber die Situation fühle und erlebe.

In diesen herausfordernden Zeiten mache ich mir bewusst, Teil des Ganzen zu sein. Alles hat seinen Platz, seine Notwendigkeit und Richtigkeit. Tägliche Übungen und der Dankbarkeit, den Fokus auf das zu richten, was gut ist in meinem Leben, helfen mir dabei, den Mut fürs Leben nicht zu verlieren! Bewusst verabschiede ich mich von Erwartungen ans Außen und richte meine Energie auf mich und mein Wohlergehen und-befinden. Tägliches Niederschreiben dessen, was mich bewegt, trägt mich sehr!

Möge eure innere Sicherheit und Stabilität, das Vertrauen und der Mut fürs Leben stetig wachsen und ihr Strategien finden, die diese Mission unterstützen!

Frohe Weihnachten

Christine

Abschied in einer Begleitung

… man sagt, dass Sterbende oft einen Moment zum Gehen wählen, wenn sie allein sind. Ich dachte mir nach unserem Eis-Date, ich könnte einen Tag Pause einlegen…

Dann erreichte mich früh am übernächsten Tag ein Anruf, dass der Mensch eingeschlafen war. Ich hatte es kein weiteres Mal geschafft, ihn zu besuchen.

Im Pflegeheim fand am gleichen Tag eine würdige Verabschiedung im Kreise der Pfleger statt. Von einer derartigen achtsamen Geste war ich sehr gerührt, ich wurde dazu gebeten, um noch eine letztes Mal Abschied zu nehmen. Feierliche Musik und Blumen sorgten für einen würdevollen Rahmen. Jeder Teilnehmer durfte noch „Danke“ sagen für einen besonderen Moment mit dem Menschen.

Damit ging dieses Kapitel zu Ende. Es fühlte sich rund und richtig an. Zuhause steht für jeden von mir bisher begleiteten Menschen ein Teelicht auf meiner Kommode, die ich von Zeit zu Zeit anzünde und ein paar Gedanken an die gemeinsame Zeit denke!

Eine schöne Woche

Christine

Gemeinsames Eisessen – Abschied in der Begleitung

Die Verabschiedung hat in einer Begleitung einen ganz besonderen Stellenwert. Man weiß nie, ob der Mensch ein nächstes Mal da sein wird. Deshalb gewöhnt man sich als Begleiter frühzeitig an, sich achtsam zu verabschieden. Versprechungen, die möglicherweise nicht eingehalten werden, vermeidet man tunlichst. Man achtet auf eine offene Formulierung, die alle Möglichkeiten einschließt.

Als ich am nächsten Tag zu „meinem“ Begleiteten kam, saß er relativ frisch und aufrecht im Bett, schwach, aber voll ansprechbar. Die Freude über Spaghetti-Eis und Beeren war groß und auch, wenn die Portion, die der Mensch zu sich nahm, in meiner Wahrnehmung mikroskopisch klein war, so war der Genuss sichtlich groß! Allerhand finanzielle Sorgen wurden noch geteilt und wie immer auch der Zustand des Körpers gemeinsam analysiert.

Nach eineinhalb Stunden verabschiedete ich mich in dem festen Glauben, diese Themen ein weiteres Mal wälzen zu können…

Einen schöne Woche für alle!

Christine

Der Abschied in einer Begleitung Teil II

Ich habe ja die Fortsetzung versprochen.

An diesem Tag ging das Leben meines Begleiteten noch nicht zu Ende. Er antwortete sogar auf eine Frage der Pflegerin, dennoch ging ich sehr nachdenklich und mit dem festen Plan, am nächsten Morgen wieder zu kommen… als ich diesen in die Tat umsetzte, fand ich den Menschen relativ aufrecht sitzend, klaren Verstandes und gewohnt freudig über meinen Besuch vor! Welch unglaubliche Überraschung für mich!

Erneut unterhielten wir uns über viele verschiedene Themen, unter anderem gestand er mir seine Schwäche für Eis und Beeren. Ein Wunsch war, nochmal Eis und Beeren genießen zu dürfen, also vereinbarten wir, dass ich am nächsten Tag mit den Wunsch-Sorten wiederkommen würde. Eine leichte Spannung blieb zwar bei mir, wie die Verfassung am nächsten Tag bei ihm sein würde, aber mein Bauchgefühl beruhigte mich. Würde er es schaffen, am nächsten Tag mit mir gemeinsam zu schlemmen? Ich glaubte immer fester daran…

Fortsetzung folgt…

Einen guten Wochenstart in die erste Adventswoche

Christine

Zertifizierung

Seit Samstag ist es amtlich. Im Rahmen einer würdevollen Feier wurden wir Neuzugänge in der Hospiz Arbeit nach einem guten Dreivierteljahr intensivem Kurs zertifiziert und sind somit fertig mit der Theorie Ausbildung. In der Praxis lernt man, wie im ganzen Leben, wohl nie aus.

Sie wird fehlen, die Zeit in der Gruppe. Die Menschen, die sich für diesen Weg entschieden haben und ihn mitgegangen sind, sind sehr besonderes und die inhaltliche Arbeit schafft ein großes Wir-Gefühl und eine Begegnung auf einer zutiefst menschlichen Ebene. Dies reflektierten wir alle am Samstag. Immer, wenn man sich trifft, geht einem das Herz auf, was für ein Geschenk, und sind wir auch noch so unterschiedlich, uns eint nun soviel, wir haben vieles geteilt und eine besondere Nähe erlebt, die außergewöhnlich ist. Die Teilnehmer aus vorangegangenen Kursen schilderten unisono gleiche Eindrücke und Erfahrungen. In der Praxis werden wir uns nicht mehr so häufig treffen, da die Arbeit, die Fortbildungen und die Supervisionen gebietsabhängig sind. Ein regelmäßiger Stammtisch ist in Planung… wir werden sehen.

Die Praxis beginnt nun für jeden, ich bin gerade in der Findungsphase, mich in einer Trauergruppe für Kinder zu engagieren, das bedeutet eine anschließende Weiterbildung zur Trauerbegleiterin. Spätestens im neuen Jahr fällt die Entscheidung!

Die gute Energie dieser Gruppe ist einzigartig, heilsam und wundervoll. Was für ein großes Geschenk!

Eine wundervolle Woche

Christine