Pilgern

Mein Papa fuhr rund 3000 Kilometer mit seinem Mountainbike von Bayern nach Santiago de Compostela. Zu seinem Reisezeitpunkt war er schon sehr geplagt von der Parkinsonschen Krankheit und nach drei ersten schmerzhaften Tagen, in denen er sein Vorhaben wieder aufgeben wollte, zog er die Radpilgerreise mit gutem Zureden seiner Familie durch. Vor einigen Jahren ist er verstorben und hat eine große Lücke hinterlassen. Er hat uns ein wundervolles Reisetagebuch verfasst, dass nun seit 5 Jahren die Route des Jakobsweges für meine Nichte und mich bestimmt. Wir gehen zu zweit zu Fuß, jeweils ein paar Tage im Jahr, halten uns an jeden Hinweis von meinem Papa, folgen auch seinen (meist ungewollten) Umwegen und versuchen, in den gleichen Unterkünften zu übernachten, die er gewählt hat. Wir lesen seine Aufzeichnungen immer nur so weit, wie wir gedenken zu kommen. Dieses Jahr mussten wir aufgrund der Pandemie unsere gemeinsame Wanderung absagen, aber es gibt bestimmt ein nächstes Mal. Ich habe grob ausgerechnet, dass wir in unserem derzeitigen Tempo in ca. 24 Jahren am Ziel sein werden, aber unser Motto ist natürlich „Der Weg ist das Ziel“.

In jedem Abschnitt unserer bisherigen Reise war mein Papa unglaublich präsent. Wir holen uns wo immer möglich den Jakobsstempel für unseren Pilgerausweis und allein die Vorstellung, dass diesen vor einer Ewigkeit auch Papa in seinen Ausweis gedrückt hat, ist beglückend. Seine Notizen bereichern uns sehr durch sein Auge fürs Detail, er gibt uns wertvolle Hinweise und Wissenswertes über die Geschichte der einzelnen Stationen und Strecken. Wir müssen lachen, weinen, jammern, nachdenken, schweigen, reden und erleben alles wie durch ein Vergrößerungsglas, denn das Wandern steigert stark die Wahrnehmung.

Ohne Vorerfahrung, ohne darüber groß nachzudenken und ohne lang zu planen oder zu trainieren gingen und gehen wir los, unsere Ausrüstung ist eher unperfekt (und meistens viel zu schwer:-)), aber wir kommen immer reicher nach Hause und sind erfüllt von den Eindrücken und Erfahrungen, die wir machen durften. Kann ich jedem nur empfehlen!

Schöne erste Dezemberwoche!

Mein Kind und mein Krebs

Meine Tochter ist 13. Sie steckt mitten in der Phase ihres Lebens, in der sie denkt, sie durchschaut die Welt voll und ganz und ist darüber hinaus größenwahnsinnig und unglaublich cool. Ich hatte Angst, dass meine Diagnose ihr diese Eigenheiten der Pubertät nehmen könnte. Ich hatte Angst, sie wäre übervorsichtig mit mir und würde sich nicht trauen zu rebellieren. Sie fragte mich gleich, nachdem ich von der Mammografie heimkam, ob ich nun Krebs habe, als ich bejahte, fragte sie, was wir denn nun machen werden. Ich antwortete, dass wir den Krebs halt heilen. Die nächste Frage war dann, ob ich denn sterben werde, ein paar Tage später. Ich habe wahrheitsgemäß geantwortet, dass das natürlich auch im Repertoire der kommenden Zeit drin sein könnte. Daraufhin hat sie sich ganz sachlich erkundigt, was dann mit ihr sein wird, wo sie wohnen wird, wo Geld herbekommen kann und wer auf sie aufpasst. Ebenso sachlich habe ich ihr meine Pläne, wie das alles geregelt ist, eröffnet. Am Abend vor der OP, als ich radioaktives Material gespritzt bekam, damit sich mein Wächterknoten nicht vor dem Skalpell verstecken konnte, durften wir dann keinen Körperkontakt haben. Da haben wir dann beide einmal gemeinsam geweint. Das wars dann auch mit offenen Emotionen. Im Krankenhaus telefonierte ich natürlich mit ihr und freute mich über den Spaß, den sie zuhause mit ihren Cousinen hatte. Zurück daheim bat sie mich, erst mal die Wunde nicht sehen zu müssen. Natürlich achtete ich ihren Wunsch, bis ich nach Wochen merkte, dass es okay war.

Ich frage sie manchmal, wie es ihr geht, wie sie mit unserer Situation klar kommt, ob sie vielleicht Hilfe von außen in Anspruch nehmen will. Aber das starke Mädchen macht ganzheitlich den Eindruck, als hätte sie dieses Kapitel schon abgehakt und für sich gut verkraftet. Ich hoffe oft, dass ich nichts übersehe. Ich merke aber, dass sie nicht besonders rücksichtsvoll in ihrem Teenie-Egoismus sein kann, dass sie die Augen verdreht, wenn ich etwas sage oder dass wir Konflikte in Hülle und Fülle haben, die sich um Mithilfe und Tierversorgung drehen. Ganz normal also. Puh, ich dachte nicht, dass ich so dankbar über die Kämpfe mit meinem Pubertier sein werde!

Das Wichtigste im Umgang mit meinem Kind war die Offenheit, Ehrlichkeit und Sachlichkeit. Sie wusste und weiß über alles Bescheid, was sie wissen möchte. So glaube ich, haben wir das beide einigermaßen gut gemeinsam überstanden.

Einen wundervollen ersten Adventssonntagabend!

Christine

Ernährung

Ich lese gerade „Wir sind das Klima“ von Jonathan Safran Foer. Ich habe auch schon „Tiere essen“ von ihm gelesen. Beide Bücher verstören mich zutiefst und motivieren mich bewusst meine Ernährungsgewohnheiten zu hinterfragen. Nicht nur, weil es für mich wichtig und gesund ist, sondern auch, weil ich eine Verantwortung erkenne, die ich übernehmen muss. Im Gespräch mit einer Bekannten über „Tiere essen“ äußerte sie den Satz: „Da darf man gar nicht darüber nachdenken.“ Hm. Ich denke doch. Ich denke sogar, jeder einzelne MUSS darüber nachdenken, was er zu sich nimmt und womit er seinen Körper stärken möchte! „Tiere essen“ hat mich während des Lesens so mitgenommen (ich lese viel, schon lange und die unterschiedlichsten Genres), dass ich laut weinend in meinem Lesesessel saß und nachhaltig schockiert bin über das System, in dem Tiere ausgebeutet und gequält werden. Ich habe natürlich früher schon Berichte gelesen oder gesehen, allerdings ging ich da möglichst vielen aus dem Weg, las nur Überschriften oder schaltete um. Nun weiß ich, ich darf die Augen nicht zumachen vor einer Realität, in der unsere Nahrung auf soviel Leid und Schmerz basiert. Es scheiden sich die Geister über alle möglichen Ernährungsformen, ich denke, jeder einzelne muss einen Weg durch den üppigen Dschungel der Ernährungswissenschaften finden, für sich entscheiden und erleben, was ihm gut tut oder nicht. Tatsache ist jedoch in meinen Augen, dass Fleisch von Tieren, die unter so schrecklichen Bedingungen ihr kurzes Dasein fristen müssen, defintiv ungesund und schädlich sein muss und der billige Preis Hohn und Spott für das bemitleidenswerte Lebewesen ist. Abgesehen davon, dass die Massentierhaltung einer der schädlichsten und gewichtigsten Faktoren in der Beschleunigung des Klimawandels ist. Der Verbraucher bestimmt den Markt. Das ist unsere Chance, aktiv an einer Verbesserung der Situation mitzuwirken. Ich versuche so oft wie möglich regional, saisonal und plastikfrei einzukaufen. Ich falle natürlich hin und wieder in alte Verhaltensmuster, meistens aus reiner Bequemlichkeit (das Obstnetz vergessen, es muss schnell gehen, einmal ist keinmal…) und bin dann ärgerlich mit mir selber, aber es gelingt immer besser! Richtig unglaubwürdig bin ich in Runden, in denen ich mich für gesunde Ernährung stark mache und dann zugebe, dass ich ja Krebs bekam… 🙂 (ein kleiner Scherz am Rande, mit Humor geht ja wie bereits erwähnt alles besser). Dennoch geht uns diese Verantwortung alle etwas an, die Folgen sind unfassbar gefährlich und, wie ich bei Foer gelesen habe, treffen diese nun schon seit geraumer Zeit in erster Linie die Menschen, deren Verhalten im Gesamtkontext verschwindend geringe Schäden verursacht, z.B. Bangladeshi. Richtig gut gefällt mir das Zitat

„Stell dir vor, du hättest nie im Leben eine Zigarette angerührt, wärst aber gezwungen, die gesundheitlichen Folgen eines Kettenrauchers auf der anderen Seite des Planeten zu tragen. Stell dir vor, der Raucher bliebe kerngesunder Spitzenreiter der Glücksrangliste – würde Jahr für Jahr weiterrauchen und seiner Sucht frönen -, während du an Lungenkrebs leidest.“

Kann man sich vor dieser Verantwortung drücken? Ich sage nein. Mein Zauberwort ist Präsenz. Im Hier und Jetzt bewusst zu entscheiden, ein Stück Fleisch zu essen, dessen Gewinnung die Erde gefährdet und das durchseucht ist mit Medikamenten, Hormonen und Abfall, traue ich keiner Menschenseele zu! Die Unbewusstheit ist unsere größte Herausforderung!

Ein schönes erstes Adventswochenende!

Die Natur benötigt Achtung, Respekt und einen achtsamen Umgang

Psychisch nachwachsen

Eine Bekannte von mir fand diesen Ausdruck in einer Whatsapp für sich sehr schön. Sie steckt mitten in einer Krebstherapie, wir haben uns quasi nach langer Zeit in der Klinik wieder getroffen. Seit sie mir auch per Whatsapp gespiegelt hat, dass diese Beschreibung für sie sehr passend ist, denke ich über meine Aussage nach. Manchmal passiert etwas im Leben, auf das man nicht vorbereitet ist. Es entsteht ein Schock, eine Traumatisierung und wir funktionieren auf Autopilot. Phase eins sozusagen. Das ist zunächst einmal lebensnotwendig. Im Nachgang, wenn der erste Schock verdaut ist, versuchen wir, aufzräumen, Trümmer zu beseitigen, eine Bestandsaufnahme zu machen und zu erkennen, was heil ist, was aussortiert werden muss und wie nun im Hier und Jetzt weitergemacht werden kann. Dies dauert auch einige Zeit, natürlich bei jedem Menschen individuell lange. Ist diese Phase dann verinnerlicht, hat man sich an seine veränderte Situation gewöhnt, kommt schließlich die Phase der Verarbeitung, das psychische Nachwachsen. Manchmal fühlt sich die Geschichte aus der jüngeren Vergangenheit an, als wäre sie mir gar nicht widerfahren, dann wiederum ist die emotionale Erinnerung zum Beispiel in einem Wartezimmer (in denen ich seit einem dreiviertel Jahr mehr Zeit verbringe als vorher in meinen 42-jährigen Leben…) so präsent, dass mein Körper in Aufruhr gerät. Ich glaube, die psychische Nachwachsphase braucht ebenso Aufmerksamkeit und individuell Zeit, wie die ersten zwei Phasen und Selbstfürsorge ist ein wesentlicher Aspekt, um den Prozess positiv zu beeinflussen. Mein heutiger Selbstfürsorge Tipp an diesem Mittwoch: Mache es Dir heute eine halbe Stunde bewusst gemütlich an Deinem Lieblingsplatz in der Wohnung, zünde eine Kerze an und lasse Deine Gedanken kommen und gehen!

Morgenstimmung am See

Heute wandere ich morgens am See entlang. Die Oberfläche ist unberührt, der Nebel wabert noch stellenweise über Ufer und Wasser. Es ist absolut einsam, ich treffe niemanden. Ganz anders als am Sonntag, als schon der Parkplatz zum Bersten gefüllt war. Ich mag die Einsamkeit am Morgen, ich mag meinen Gedanken nachhängen, ungestört die Hunde ausführen (meine Hunde sind auch lieber allein, zumindest kläffen sie alles und jeden an, der uns begegnet und ja, wir waren in der Hundeschule 🙂 TROTZDEM!!!) Vereinzelt singen immer noch Vögel, auch bei 2 Grad minus und begrüßen den schönen Tag. Ich begrüße ebenfalls den schönen Tag, einen neuen, völlig unverbrauchten Morgen. Ich leide ab und zu unter meiner schwermütigen Art, sehe manchmal alles sehr dunkel bis schwarz. Dem muss ich aktiv entgegenwirken, sonst verliere ich mich darin. Also konzentriere ich mich auf die Farben, das Licht, die Klarheit, die Luft und vertreibe düstere Gedanken. Und siehe da, es klappt! Wie immer in der Natur 🙂

Backen macht glücklich

Ich habe das ja immer bezweifelt, vor allem, wenn viele Kinder beim Backen anfangs hochmotiviert mithelfen und die Lust blitzschnell nach dem ersten Ausrollen und Ausstechen wieder verschwunden ist, die Küche in ein Schlachtfeld verwandelt ist und noch gefühlte 5 Kilogramm Teig zum Verarbeiten vor mir liegt. Nun in meiner derzeitigen Situation backe ich ohne Zeitdruck und fast schon meditativ und siehe da, tatsächlich verspüre ich Glück und Zufriedenheit dabei. Kleine oder größere Malheure wie zum Beispiel die angebrannte (oder besser formuliert verbrannte) Plastikschokoglasurpackung im Wasserbad (Schokolade und Plastik sind quasi verschmolzen zu einer sämigen Masse) kann ich fröhlich weglachen und einfach entsorgen, ohne allzu viel Energie in das Misslingen zu investieren. Die Weihnachtsbäckerei hat begonnen. Ich habe keinen Plan, wie andere gute Hausfrauen, wieviel oder welche Plätzchensorten ich backen werde, aber ich glaube, ich werde noch tiefer in das Thema in den kommenden Wochen einsteigen 🙂

Viel Freude an diesem Montag wünsche ich Euch!

Mit ganzem Herzen

Heute nehme ich mir vor, alles aus tiefstem Herzen zu tun. Ich werde nur Sachen machen, zu denen mein Herz ja sagt, werde mit meinem Herzen anderen zuhören und antworten, werde meinem eigenen Herzen lauschen und es in den Mittelpunkt des heutigen Tages stellen. Dinge, Ratschläge, Sätze, Geschenke, die von Herzen kommen, sind immer richtig, gut und authentisch. Halbherzig ist heute raus!

Einen schönen Sonntag!

Laufenten

Lachen ist ja bekanntlich gesund und entspannt ungemein. In meinem Gärtchen und zugegebenermaßen auch in meiner Nachbarschaft (meine Laufenten sind sehr raumgreifend) leben meine Laufenten. Im Sommer kam Nachwuchs, aus vier wurden sechs, das heißt in meinem Leben sechs sichere Gründe, um mich zu erheitern. Dem Charme einer Laufente nicht zu erliegen erscheint mir unmöglich, wenn ich mich in den Garten setze und sie beobachte oder sie mit schief gelegtem Kopf an meiner Terrassentür mit ihrem Schnabel klopfen, um Eissalat zu ergattern, geht mir sofort mein Herz auf. Sie laufen morgens fröhlich los zum Weiher, begrüßen den Morgen mit lautem Geschrei, tummeln sich dann tagsüber im Wasser oder an Land auf Futtersuche (falls sie nicht fündig werden, suchen sie halt ihren Stall mit ihrem Futternapf heim:-)) und bleiben irgendwie immer in der Nähe. Gegen Abend kommen sie dann im Pulk heim, eine Laufente ist nie allein unterwegs, und gehen schließlich, wenn es dunkel wird, brav in ihren Stall. Ursprünglich wollte ich mir Laufenten zur Schneckenbekämpfung anschaffen, dass daraus eine Liebe fürs Leben wird, die so unendlich viel Freude macht, hätte ich nie gedacht 🙂

Schönen Samstag-Abend

Andi, Batman und Robin

Perspektivenwechsel

Das Leben ist voller einzelner Fädchen, die zusammengesponnen werden zu einem bunten Flickenteppich. Bunt sollte er zumindest überwiegend sein, wir assoziieren mit bunten Farben ja meistens Freude, Fröhlichkeit, Glück oder Lachen. Mit dunkleren Farben eher schwerere Themen wie zum Beispiel Trauer, Angst, Depression oder Mutlosigkeit. Jeder von uns geht seinen eigenen Weg über hohe Berge, tiefe Täler, hügelige oder ebene Landschaften, mal begleitet von Sonnenschein, mal umgeben von Wolken, Regen, Sturm oder Schnee. Mal läuft alles perfekt und prima, dann gibt es Zeiten, in denen sich eine schwierige Situation an die andere reiht, man scheint aus Schicksalsschlägen nicht mehr recht herauszukommen. Diese Phasen fordern uns heraus, prüfen uns und verlangen uns unheimlich viel ab. In unserer momentanen Pandemie-Situation zeigt sich das dem einen oder anderen noch um ein Vielfaches verstärkt. Man fühlt sich ausgeliefert und mutlos. In Zeiten, in denen mich die Verzweiflung heimsucht, hilft es, zu schreiben. Ich lese gerne meine Texte viel später und die gute Nachricht für mich, die ich dadurch sozusagen schwarz auf weiß erfahren darf ist folgende: Ich ändere IMMER meine Einstellung zu einer Situation, bewusst oder unbewusst, ich nehme einen Perspektivenwechsel vor, kann sachlich alle Facetten und Begleiterscheinungen der Situation betrachten und tatsächlich IMMER positive Seiten entdecken. Sogar meine Emotionen, von denen ich häufig überzeugt bin, sie nie mehr anders in Bezug auf die jeweilige Situation fühlen zu können, ändern sich. Werden weicher, abgerundeter, nicht mehr so scharfkantig. Manchmal fühle ich im Nachhinein auch das Gegenteil. Ich freue mich über diese gute Nachricht unglaublich, denn ich kann immer im Vertrauen bleiben, dass tatsächlich alles wieder gut wird und ich sozusagen immer psychisch meinen Herausforderungen nachwachse.

Dunkle Wolken… doch der blaue Himmel spitzt durch…

Resilienz

Ein Freund von mir bat mich, in Malawi, Afrika eine Vorlesung zum Thema Bindung und Urvertrauen im März 2019 für seine Studenten zu gestalten und vorzutragen. Ich bin im Laufe meiner Vorbereitungen immer tiefer in das Thema Resilienz eingetaucht. Resilienz spielt in meiner täglichen Arbeit eine große Rolle, ist eins der wichtigsten Erziehungsziele unserer Zeit. Die Komplexität der Thematik ist fast unerschöpflich, da so viele verschiedene Faktoren in der Entwicklung eines Menschen eine Rolle spielen z.B. Disposition, Erziehung, Bezugspersonen, Vorbilder, usw. Was genau uns Menschen fähig im Umgang mit allen Lebenslagen und Herausforderungen macht, kann man gar nicht konkret eingrenzen. Für mich erkannt habe ich, dass es sich unfassbar lohnt, die eigene Resilienz und die der nahestehenden Mitmenschen zu fördern, so oft es geht. Das Wie ist ebenso vielfältig wie die Voraussetzungen und Faktoren der Resilienzentwicklung. Die für mich wichtigsten Bausteine, die wir beeinflussen können sind: sich selbst kennenlernen, Zuhören, Ernst nehmen, Gefühle verbalisieren und die Lösungsorientierung! Es gibt aus jeder Situation einen Ausweg, es gibt immer eine Lösung für ein Problem. Wenn es mir gelingt, dies für mich selber zu verinnerlichen und beispielsweise den mir anvertrauten Kindern zu vermitteln, denke ich, ist ein großer Schritt in die richtige Richtung getan. Inspiration zu diesem Beitrag fand ich, wie oft, auf einem meiner morgendlichen Streifzüge mit den Hunden. Ich betrachtete die unterschiedlichen Bäume auf meiner Wanderung und übertrug die Gedanken zur Resilienz, zur Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit auf unsere so fleißigen und wichtigen Partner im Leben, die Bäume. Sie strecken sich nach der Sonne und dem Licht über ihren Kronen, saugen ihre Nahrung aus dem Boden, der ihnen gleichzeitig Sicherheit und Halt gibt. Eine gesunde, kraftvolle Basis bietet ihnen die Möglichkeit, sicher und stark zu werden. Je stärker die Verankerung von Anfang an, desto gewappneter ist der Baum in stürmischen Zeiten. Dieses Bild kann man auf uns Menschen übertragen. Je fester mein Grund, mein Urvertrauen, meine Basis, desto stabiler stehe ich da in stürmischen Zeiten. Der Baum wächst manchmal schief und krumm oder lässt sein Wachstum vom Sturm beherrschen, er passt sich seiner Umgebung an. Verletzungen kann man in seinem Stamm erkennen, seine Ringe verraten sein Alter. Wir kommen auch nicht unversehrt durch unser Leben, können uns aber anpassen lernen und die gute Nachricht ist, man kann Resilienz üben! Eine unsichere Basis kann durch Unterstützung von Mitmenschen ausgeglichen werden, ein Baum kann angebunden oder durch einen Zaun geschützt werden. Es lohnt sich, Hilfe anzunehmen oder anzubieten. In der Gemeinschaft sind wir alle noch stärker und weniger dem Sturm ausgesetzt als allein! Freundschaften und Kontakte pflegen ist eine gute Voraussetzung!

Einen schönen Tag!