Absichtslos

Ein wichtiges Grundprinzip in der Hospizbegleitung ist die Absichtslosigkeit. Dies ist gleichzeitig in meinem Leben ein Gegengewicht zu all meinen anderen Tätigkeiten, bei denen immer ein Ziel, ein Ergebnis zu erreichen ist.

Konkret bedeutet dies, dass man zu einem anvertrauten Menschen im letzten Zyklus seines Lebens geht, ohne einen Plan zu haben. Man lässt sich leiten und führen von dem, was dieser Mensch braucht. Entweder verbal oder durch Mimik und Gestik, aber auch über das eigene Bauchgefühl kann man dies herausfinden. Das kann ein Gespräch sein, es kann Stille sein oder auch gemeinsam Gefühle und Situationen aushalten.

Es ist immer für mich eine besondere Herausforderung, nicht in die Aktion zu gehen, bin ich da doch schon fast konditioniert. Deshalb ist für mich diese Zeit auch sehr lehrreich und wertvoll, denn ich mache völlig neue Erfahrungen und lerne viel über mich selbst!

Dafür bin ich sehr dankbar!

Einen wundervollen Start in die neue Woche!

Christine

Die Frage nach dem WARUM

Gestern auf der Geburtstagsfeier meiner lieben Freundin wurde ich gefragt, warum so ein junger Mensch wie ich (😊naja, liegt im Auge des Betrachters) in der Begleitung Sterbender Menschen tätig sein mag. Für einen Augenblick dachte ich über mich und meine Beweggründe nach, dennoch kam meine Antwort zügig: ich nehme im Lichte des Gehens der Menschen, die mir anvertraut worden sind, vieles im Leben anders wahr. Probleme und Herausforderungen schrumpfen zusammen, immer, wenn ich an die letzten Reisen und Wege der Menschen denke. Eine ähnliche Erfahrung durfte ich machen, als ich mit meiner Heilung des Krebses beschäftigt war. Alles relativiert sich und rückt an seinen Platz in meiner Wahrnehmung! Dankbarkeit und bewusstes (Er-) leben eines jeden Augenblickes und Tages wird möglich und immer selbstverständlicher!

Einen wundervollen Start in deine neue Woche!

Christine

Die Ausbildung zum Hospizbegleiter – ein Geschenk

Ich war schon ein bisschen nervös am meinem ersten Abend der Ausbildung. Da ich erkrankt war, konnte ich am ersten Treffen nicht dabei sein. Die teilnehmenden Menschen hatten mir also schon eines voraus: das erste Kennenlernen!

Mein eigenes Eis brach jedoch schnell in dieser Gruppe, denn die spürbare Energie in dieser Gruppe war so sanft und positiv, dass ich mich wohlzufühlen begann. Die teilnehmenden Menschen sind alle sehr besonders.

Inhaltlich gibt es beispielsweise Techniken zur Kommunikation, Vorsorgevollmacht oder auch die Weitergabe von Erfahrungen mit unterschiedlichen Krankheiten. Verschiedene Referenten sorgen für Abwechslung.

Es gibt regelmäßige Ausbildungsabende und Wochenenden und für mich sehr untypisch ist ☺️, dass ich mich auf jede Einheit freue und trotz meines forderndes Jobs nicht das Gefühl habe, ausgelaugt zu werden. Es fühlt sich nährend an, sich mit diesem Thema in dieser Gruppe auseinandersetzen.

Teil der Ausbildung ist im fortgeschrittenen Aufbauseminar ein Praktikum. In diesem befinde ich mich nun und werde euch an meinen Erfahrungen das nächste Mal teilhaben lassen! Soviel kann ich schon mal verraten: die Ausbildung und das Praktikum sind eine unglaubliche Bereicherung!

Eine schöne Woche!

Christine

Mein Weg zur Hospiz Begleitung

Seit einiger Zeit reifte der Gedanke in mir heran, Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Durch meine eigene Erfahrung mit Krebs und einigen Menschen, die aus meinem engeren Umfeld bereits gegangen sind, rückte das Thema Sterben immer mal wieder ganz nah und forderte mich heraus, auch die Möglichkeit meines eigenen Vergehens ins Leben zu lassen.

Früher gelang es mir meistens, den Tod aus meinem Leben auszuklammern, ihn erfolgreich zu verdrängen. Nur hin und wieder klopfte ein diffuses Angstgefühl und Unverständnis („Es soll wirklich einfach alles vorbei sein??“) an die Bewusstseinstür und erschreckte mich zuweilen, bevor ich schnell wieder einen stabilen Deckel über diese Gedanken und Gefühle stülpen konnte.

Jetzt bin ich in einer Lebensphase angelangt, in der diese Bemühungen nicht mehr die richtige Strategie sind. Ich gehe Probleme und Herausforderungen in meinem Leben fast immer proaktiv an, mir gibt es ein sehr gutes Gefühl, selbst tätig sein zu können und nicht „hilflos ausgeliefert in der Falle sitzen zu müssen“. Also nahm ich auch dieses Thema an, wollte mehr darüber erfahren und reflektiert meine eigene Haltung und Meinung bilden.

Ich fing an, mich mit Literatur zum Thema Sterben auseinandersetzen (beispielsweise „das tibetische Buch vom Leben und Sterben“ Oder „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“) und der Gedanke wuchs, Hospizbegleitung zu versuchen. Ich meldete mich im Grundkurs an, beschloss dabei zu bleiben und…. tadaaaaaaa!!!! Ich begleite aktiv nun Menschen auf ihrer letzten Reise.

Jeden Schritt bis dahin habe ich mir wohl überlegt, immer mit dem Wissen, aussteigen zu können, wenn es sich nicht mehr gut für mich anfühlt. Aber das tut es. Und meine Erlebnisse möchte ich gerne teilen!

Bis zum nächsten Mal

Christine

2. Advent

Still war es heute Morgen auf meiner Gassi Runde. Diese wohltuende Stille erfüllte die Morgenstimmung, wenn fast die ganze Welt noch schläft. Nur hin und wieder das Krächzen einer Krähe und der schrille Pfeifton des Bussards auf Mäusejagd. Es ist die Stille, die ich besonders im Advent zu schätzen gelernt habe. Eine Oase der Ruhe, der inneren Einkehr, des Gedankensammelns und -ordnens, um im Alltag bei mir bleiben zu können, mich nicht im Aussen zu verlieren. Und im Inneren Frieden zu erlangen und zu erhalten.

Meine Inspiration an diesem 2. Adventssonntag:

„Utopia taucht am Horizont auf. Ich gehe zwei Schritte darauf zu, und es entfernt sich zwei Schritte. Ich gehe weitere zehn Schritte darauf zu, und der Horizont zieht sich zehn Schritte zurück. So weit ich auch gehe, ich werde ihn nie erreichen. Welchen Sinn hat dann die Utopie?

Ganz einfach: dafür zu sorgen, dass wir weitergehen.“

Eduardo Galeano (1940-2015)

Der Advent beginnt…

und für mich mit ihm ein ganz besonderer Zauber, der jedes Jahr zuverlässig wiederkommt!

Ebenso jedes Jahr im Sommer bin ich zwischendurch wehmütig, kann mir nicht vorstellen, ohne Sonne, Wärme und See auszukommen.

Im Vertrauen bleiben… meine immer wieder kommende Herausforderung, vor allem seit meiner Diagnose, ist auch im Jahreskreis eine gute Taktik, um nicht anzuhaften, um rechtzeitig loszulassen, um die Vergangenheit nicht die Gegenwart verdecken zu lassen!

1.Advent

„Der Vogel hat gesungen.

Die Glocke hat geläutet.

Der Geranie

Auf der Fensterbank

Ist eben gestorben,

Aber Sie

reden einfach

weiter,

Fräulein Schmitt.“

Albert Cullum

Wochenendsignalfeuer

Gedankenlosigkeit…

Spätestens beim Autofahren merke ich, wie schnell ich be-und verurteile, weil ich ungeduldig bin, zu spät dran bin oder mich prinzipiell über alle anderen Verkehrsteilnehmer aufrege, weil ich am allerbesten Auto fahre… dann kommt der Moment, in dem ich an eine rote Ampel ankomme und mich frage, wie zur Hölle es sein kann, dass ich schon hier bin. Die Strecke bis dahin ist aus meinem Bewusstsein völlig gelöscht oder noch nie dort wahrgenommen worden.

Ich muss mir eingestehen, dass ich die vergangenen Minuten kein bisschen präsent war und mich auf den Verkehr konzentriert habe. Wie gefährlich!!! Und dann noch anmaßend bei nächster Gelegenheit über andere urteilen! Das muss sich definitiv ändern! Ich arbeite dran. Was sagst du dazu? Kennst du das?

Schönes Wochenende!

Wochenendsignalfeuer

Diese Woche beschäftigte mich virulent das Thema Loslassen, Leid und die meistens damit verbundene Trauer. In meinem Bauch spürte ich tagelang ein eigenartiges Gefühl, das ich nicht einordnen konnte. Ich habe mittlerweile gelernt, auf meinen Bauch zu hören und so habe ich in stillen Momenten versucht zu erspüren, was da vor sich hin grummelt. Ich ging stark in Resonanz mir der Thematik „Loslassen“ und habe meine Gefühle dazu kommen lassen, da sein lassen, sie angenommen und wieder mal die (sehr beruhigende) Erfahrung machen dürfen, dass die unangenehmen Gefühle durch die Annahme auch wieder gehen. Ich übe seit geraumer Zeit, „schlechte“ Gefühle nicht mehr wie früher weg zu drücken, sondern einen neuen, für mich gesünderen Umgang damit zu finden. Jedes einzelne Mal, wenn ich dann feststelle, dass das unangenehme Ziehen im Bauch wieder weg ist, freue ich mich sehr! Diese Erkenntnis ist für mich lebensverändernd, weil ich meinen Krebserkrankung unter vielen anderen auslösenden Faktoren meiner erlernten Verdrängung von meinen Gefühlen zuschreibe. Ich möchte heute inspirieren zum bewussten Umgang mit den eigenen Gefühlen!

Es lohnt sich! In diesem Sinne, ein wundervolles Wochenende♥️

Wochenendsignalfeuer

Zurück nach langer Zeit… ein neuer Versuch…

Nach einer politisch sehr aufregenden Woche, über die mehr als genug und ausführlich berichtet wurde und wird, möchte ich meine persönliche Inspiration zum Wochenende teilen!

Die hohe Kunst ist für mich, bei mir zu bleiben, egal was im Außen geschieht. Meine Überzeugung ist, dass ich somit den größten Einfluss auf meine eigene positive Einstellung und Energie habe, diese sich wiederum positiv auf meine Mitmenschen und Umwelt auswirkt. Damit trage ich in meinem Dunstkreis zum Frieden im Kleinen bei und Mikrokosmos ist gleich Makrokosmos! Der Schlüssel, um mich nicht ablenken zu lassen, liegt in der Präsenz, diese erreiche ich über bewusste Atmung!

Lohnt sich, ausprobieren!

Ein schönes Wochenende ♥️

Auf der Heimreise

Die vergangenen 4 Tage verbrachte ich wandernd und pilgernd ab Rapperswil (meines Ziels im letzten Jahr) bis Luzern. In erster Linie war die Pilgerwanderung wieder eine intensive Reise zu mir selbst. Bei einer täglichen Strecke von ungefähr 25 Kilometern über Berg und Tal, Stock und Stein und gnadenlos der Witterung ausgesetzt, konzentriert sich mein Bewusstsein stark auf meine physischen Zustände. Das schwere Gepäck, das IN JEDEM FALL unbequem wird und an den unterschiedlichsten Stellen am Körper drückt, die qualitativ hochwertigen Wanderschuhe, die einen mikroskopisch kleine verrutschende Socken nicht verzeihen und Blasen verursachen, der eiskalte Wind, der Tränen und winzige Schmutzpartikel in Gesicht und Augen treibt oder der unablässige Dauerregen, der langsam und konsequent JEDE Art von Funktionskleidung durchdringt. Verrückte Herbst- Wetter- Kapriolen, nach gefühler Eiseskälte schwitze ich plötzlich wieder, so bald erste Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke spitzen. Diese Kombination aus verschiedenen äußeren Faktoren ließe sich nun weiter ausführen, viele kleine Wehwechen würden Zeilen füllen, kann ich euch sagen 🙂 das faszinierende jedes Mal aufs Neue ist (2015 habe ich mit dem Wandern auf dem Jakobsweg begonnen): mögen die Probleme und Schwierigkeiten im Leben gerade auch noch so groß sein, beim Pilgern rücken sie weit in den Hintergrund. Ich kann nur an die nächste Rast mit gutem Essen und einer halben Bier denken 😀. So komme ich nun frisch gestärkt und etwas lädiert nach Hause (mein Arthrose Fuß hat zwischendurch immer wieder um Hilfe geschrieen und durch Tamoxifentabletten, die Krebs verhindern und meinen langjährigen Begleiter Hashimoto bin ich in meiner Leistungsfähigkeit etwas eingeschränkt), habe das Geschenk einmal mehr im Leben erhalten, zu erkennen, wie gut für mich und meine Psyche körperliche Anstrengung und Sein in der Natur ist und fühle mich jetzt für die kommenden Alltage gewappnet!

Herzliche Grüße an alle!